Medizinwissen: Allergieprävention bei Kleinkindern
Niesen, Jucken, dauerndes Naseputzen: Allergien können an manchen Tagen zur Plage werden. Die häufigste allergische Reaktion bei Babys und Kleinkindern ist ein Ekzem mit geröteter, juckender Haut. Allergische Beschwerden sind sehr häufig geworden - warum, weiß niemand ganz genau. Nach wie vor entwickeln zwar die meisten Kinder keine Allergien. Doch wenn ein Elternteil oder beide eine Allergie haben, ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass auch ihr Kind eine Allergie bekommt. Es gibt allerdings einige Dinge, die helfen könnten, dieses Risiko zu verringern. Diese Seite hilft, einige der Mythen und Fakten über Allergien zurechtzurücken.Welche Kinder haben ein hohes Risiko, eine Allergie zu bekommen?
Das größte Risiko, eine Allergie zu entwickeln, ist genetisch bedingt: Die Veranlagung für Allergien liegt eindeutig in der Familie. Nur eins von 10 Kleinkindern bekommt irgendwann eine Allergie, wenn weder der Vater noch die Mutter eine Allergie hat. Haben jedoch beide Eltern eine Allergie, oder einer von beiden, ist es wahrscheinlicher, dass das Kind ebenfalls allergische Beschwerden entwickelt, als dass es davon verschont bleibt: Eine Allergie tritt in diesem Fall bei bis zu 7 von 10 Kindern auf (bei 70 %).
Zu den häufigen Allergien zählt der Heuschnupfen, der sich gewöhnlich im Frühjahr und Sommer bemerkbar macht (jahreszeitlich bedingte allergische Rhinitis). Die typischen Beschwerden wie Niesen, laufende Nase und tränende Augen können aber auch das ganze Jahr über auftreten (ganzjährige allergische Rhinitis). Ebenfalls weit verbreitete Beschwerden sind allergisch bedingte Hautausschläge oder -entzündungen. Ein atopisches Ekzem ist bei Kindern eine sehr häufige Hauterkrankung (Neurodermitis). Ein Ekzem ist ein juckender Ausschlag, mit dem 2 von 10 Kindern zeitweise zu tun haben können (20 %). Bei 5 bis 7 von 10 Kindern, die ein Ekzem entwickeln, verschwindet es allerdings bis etwa zu ihrem 15. Lebensjahr wieder (das heißt, die Rückbildungsrate liegt zwischen 50 und 70 %).
Atopische Ekzeme bilden sich am häufigsten, bevor ein Kind zwei Jahre alt ist. Der Ausschlag zeigt sich bei ihnen meist auf den Wangen sowie an Armen und Beinen. Später breiten sich die Ekzeme häufiger in den Nackenfalten, Knie- und Armbeugen aus. Sie können aber jeden Körperbereich betreffen.
Kinder von Eltern, die rauchen, haben zudem häufiger Probleme mit Husten, pfeifendem Atem und Asthma. Asthma und Allergien können eng miteinander zusammenhängen.
Was kann ich während der Schwangerschaft tun, um das Allergierisiko des Babys zu senken?
Die Schwangerschaft ist ein sehr guter Zeitpunkt, um mit dem Rauchen aufzuhören: Zum einen kann das Rauchen dem Ungeborenen schaden - und zum anderen ist es für Babys und Kinder aus vielen Gründen gut, wenn ihre Eltern nicht rauchen. Über Möglichkeiten zur Raucherentwöhnung, auch für Schwangere, können Sie hier mehr lesen.
Zu den häufigsten Allergieformen gehören Lebensmittelallergien. Eine Allergie kann mit einer "Sensibilisierung" beginnen. Dies bedeutet, das Baby wird so empfindlich gegenüber selbst winzigen Mengen eines Nahrungsmittels, dass sein Körper mit einer allergischen Reaktion wie einem Hautausschlag reagiert. Manche Menschen nehmen an, dass es das Baby vor einer Sensibilisierung und späteren Allergien schützen könnte, wenn die Mutter in der Schwangerschaft auf bestimmte Kost verzichtet. Bei solchen Vermeidungsdiäten werden ein oder mehrere Lebensmittel weggelassen, die häufig Allergien auslösen, wie zum Beispiel Kuhmilch.
Es gibt allerdings keine spezielle Schwangerschaftsdiät, die das Allergierisiko für Babys und Kinder nachgewiesenermaßen senken könnte. Tatsächlich haben die wenigen guten Untersuchungen zu Vermeidungsdiäten in der Schwangerschaft nicht nur keine Vorteile gezeigt - das Weglassen von Nahrungsmitteln hatte sogar negative Auswirkungen: Da die Frauen während der Schwangerschaft weniger an Gewicht zulegten, erhöhten sich für die Babys einige Risiken in Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt.
Eine andere Möglichkeit ist es, in den letzten Schwangerschaftswochen und vielleicht auch noch während der Stillzeit probiotische Nahrungsergänzungsmittel zu nehmen. Solche Mittel sind Tabletten oder Flüssigkeiten aus bestimmten Keimen, die in Milchprodukten wie Joghurt vorkommen. Probiotika werden oft "freundliche Bakterien" genannt, weil diese Art von Bakterien im Darm vor einer späteren Entwicklung allergischer Erkrankungen und vor den Ursachen einiger Magen-Darm-Probleme schützen könnten.
Allerdings steckt die Forschung zu probiotischen Nahrungsergänzungsmitteln und Allergievorbeugung noch in den Kinderschuhen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben herausgefunden, dass solche Mittel möglicherweise helfen könnten, atopischen Ekzemen vorzubeugen. Es sind aber mehr Forschungsarbeiten nötig, weil die bisherigen Ergebnisse nicht eindeutig sind. Man weiß auch noch nicht, ob es ausreichen würde, Probiotika nur in der Schwangerschaft zu nehmen, oder ob dies auch noch während der Stillzeit nötig wäre. Einige Studien haben den Einsatz der Mittel bei Neugeborenen geprüft - doch auch hier ist es zu früh, um beurteilen zu können, ob dies Vorteile hätte. Forscherinnen und Forscher vertrauen darauf, dass probiotische Nahrungsergänzungsmittel für Schwangere und für Babys unbedenklich sind.
Was lässt sich über das Stillen sagen?
Das Stillen ist aus vielen Gründen wichtig für Babys - unter anderem, weil es die Nähe zwischen Mutter und Kind vertieft und das Risiko von Darminfektionen bei Babys verringert. Stillen könnte auch vor Allergien schützen. Wenn Sie selbst Allergien haben, können Sie diese durch das Stillen nicht auf Ihr Kind übertragen. Falls Sie nicht stillen können, wird sich das Risiko des Babys, ein Ekzem oder eine andere Allergie zu entwickeln, aber vermutlich nicht sehr erhöhen. Ersatznahrung könnte manchmal eine Allergie auslösen, dies ist aber selten.
Wenn sie ihr Kind stillen, bemerken Mütter häufig, dass ihre Babys heftig darauf reagieren, wenn sie selbst bestimmte Lebensmittel, Kuhmilch oder ein anderes Getränk zu sich genommen haben. Einige Studien über Vermeidungsdiäten für stillende Frauen konnten nicht zeigen, dass ein Verzicht hilft, der Entwicklung von Allergien vorzubeugen. Wenn Ihr Baby aber eindeutig auf eine bestimmte Nahrung oder ein Getränk reagiert, könnte es helfen, diese Lebensmittel zu vermeiden.
In Studien sind probiotische Nahrungsergänzungsmittel auch während der Stillzeit eingesetzt worden. In der Regel hatten die Studienteilnehmerinnen jedoch schon in den letzten Schwangerschaftswochen mit der Einnahme begonnen. Es ist noch zu früh, um beurteilen zu können, ob sich die Einnahme dieser Mittel lohnt. Sobald neue Forschung zu diesem Thema verfügbar ist, wird das IQWiG darüber berichten.
Falls Ersatznahrung nötig ist: Welche birgt das geringste Allergierisiko?
Wenn ein Baby nicht voll gestillt werden kann, gibt es mehrere Möglichkeiten. Die am meisten verwendete Alternative zu Muttermilch ist eine künstlich hergestellte Ersatznahrung (Formula-Nahrung), die auf Kuhmilch basiert. Andere Möglichkeiten, mit denen häufig versucht wird Allergien vorzubeugen, sind Formula auf der Basis von Soja, oder so genannte hydrolysierte Ersatznahrung. "Hydrolysiert" bedeutet, dass das Eiweiß in der Kuh- oder Sojamilch aufgespalten wurde. Proteine sind der übliche Auslöser von Allergien. Man hofft, dass die Spaltung der Proteine vor Allergien schützen kann.
Hydrolysierte Formula sind in der Regel teurer als normale Formula-Nahrung. Hydrolysierte Produkte anstatt Formula aus normaler Kuhmilch zu geben, könnte seltener Allergien auslösen, aber auch hier gilt: Die Forschungsergebnisse waren bisher widersprüchlich, so dass es für eine verlässliche Aussage über die Wirkung noch zu früh ist.
Viele Menschen glauben, dass Formula auf Sojabasis besser sind, weil sie keine Kuhmilch enthalten. Es ist aber nicht nachgewiesen, dass Soja-Formula vor Allergien schützen könnten. Mehr noch: Einige der Babys, die diese Formula bekommen, könnten eine Allergie gegenüber Sojaprodukten entwickeln. Über die Forschung zu Soja-Formula können Sie hier mehr lesen.
Eine andere Möglichkeit sind Formula mit Probiotika- oder Präbiotika-Zusätzen. Präbiotika sind Stoffe, die die Entwicklung "freundlicher Bakterien" (Probiotika) im Verdauungssystem anregen können. Die Forschung legt nahe, dass probiotische Formula seltener Allergien auslösen könnten als Formula aus normaler Kuhmilch, allerdings sind die Forschungsergebnisse bisher widersprüchlich. Es gibt Hinweise aus einigen wenigen Studien, dass präbiotische Produkte eine vorbeugende Wirkung haben könnten - doch auch in diesem Punkt kann man noch nicht sicher sein. Mehr Informationen dazu erhalten Sie hier. Sobald mehr Forschung zu diesem Thema verfügbar ist, wird das IQWiG seine Informationen aktualisieren.
Wann gibt man Babys am besten Kuhmilch und feste Nahrung?
Es gibt einige Hinweise darauf, dass eine spätere Einführung fester Nahrung Ekzemen vorbeugen oder ihre Entwicklung verzögern könnte. Es gibt aber keine Forschungsergebnisse, die genau bestimmen, wann und wie es am besten wäre, dem Baby feste Nahrung zu geben. Der am häufigsten untersuchte Zeitpunkt ist nach sechs Monaten.
Oft wird empfohlen, Lebensmittel wie Fisch, Eier oder Nüsse, die häufig allergische Reaktionen auslösen, erst nach einem Jahr oder sogar erst nach drei Jahren zu geben. Einige Menschen argumentieren im Gegenteil, dass es Babys vor einer Überempfindlichkeit schützen könnte, wenn man sie schon früh an solche Kost gewöhnt. Diese Theorie ist jedoch nicht bewiesen.
Für die am meisten verbreiteten Allergien sind von Land zu Land unterschiedliche Lebensmittel verantwortlich. In Europa sind dies Eier, Fisch und Meeresfrüchte, Nüsse und Erdnüsse sowie Sojabohnen. Überempfindliche oder allergische Reaktionen auf Kuhmilch und Weizenmehl sind ebenfalls häufig. Lebensmittel sind vermutlich nur für manche Kinder mit einem Ekzem ein wichtiger Faktor. Tritt eine Allergie auf, wird sie sich wahrscheinlich mit der Zeit abschwächen.
Allergien können sich allmählich entwickeln: Das Baby oder Kind reagiert zunächst etwas empfindlich, dann stärker und schließlich tatsächlich allergisch auf bestimmte Kost. Wenn ein Kind daher auf ein Lebensmittel überempfindlich reagiert, könnte das Weglassen dieses Lebensmittels theoretisch davor schützen, dass eine Allergie entsteht.
Können Impfungen Allergien auslösen?
Es wurde eine Theorie entwickelt, die versucht, die starke Zunahme von Allergien in den letzten Jahrzehnten zu erklären. Diese so genannte Hygiene-Theorie besagt, dass Babys möglicherweise mit Krankheitserregern in Kontakt kommen müssen, damit sich ihr Immunsystem gesund entwickeln kann. Laut dieser Theorie hindern Impfungen in der frühen Kindheit und / oder das Fehlen früher Kontakte mit Krankheitserregern die Kinder daran, ein gesundes Immunsystem zu entwickeln. Diese Theorie ist allerdings nicht durch wissenschaftliche Forschungen gesichert, und die Wirklichkeit ist wahrscheinlich nicht ganz so einfach.
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben systematisch nach großen Studien gesucht, in denen sowohl Impfungen als auch das Auftreten von Allergien oder Asthma festgehalten worden waren. Die Analyse dieser Studien ergab keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen Impfungen und Allergien. Der Grund oder die Gründe für die weltweite Zunahme von Allergien sind noch immer unklar, aber Impfungen scheinen nicht das Problem zu sein.
Was ist mit Haustieren und Veränderungen im Haushalt?
Wenn Eltern selbst eine Allergie haben, halten sie meist auch keine Haustiere. Ob es Menschen, die noch keine Allergie haben, schützen könnte, wenn sie ihre Haustiere abgeben, ist nicht belegt. Viele Menschen mit Allergie haben auch schon versucht, ihre Wohnumgebung so zu gestalten, dass die Allergenbelastung möglichst gering bleibt. Dies gilt auch für andere Veränderungen rund um den Haushalt, wie zum Beispiel das Entfernen von Teppichen oder häufiges Waschen der Bettbezüge, um die Zahl der Hausstaubmilben zu verringern. Es gibt sogar Anregungen aus manchen Studien, dass man das Risiko für Ekzeme vielleicht senken könnte, wenn man Haustiere wie Hunde hält. Dies ist jedoch auch nicht schlüssig nachgewiesen.
Viel Aufwand zu betreiben, um die Belastung durch Allergene im Haushalt zu verringern und so der Entwicklung von Allergien vorzubeugen, mag folgerichtig erscheinen. Tatsächlich ist aber nicht belegt, ob solche Maßnahmen das Allergierisiko senken oder gar erhöhen. Ein Grund könnte sein, dass es unmöglich ist, Allergene komplett zu beseitigen: Egal wie häufig und wie gründlich Sie putzen, es wird immer Hausstaubmilben geben.
In der Wohnung nicht zu rauchen, ist das Wichtigste, was Sie für die Gesundheit Ihres Kindes tun können. Falls Forschungsarbeiten verfügbar werden, die zeigen, dass bestimmte andere Maßnahmen rund um Ihren Haushalt helfen könnten, Ihr Kind vor Allergien zu schützen, wird das IQWiG berichten.
Gibt es irgendetwas anderes, das helfen könnte?
Gut über Allergien informiert zu sein und sich über neue Forschungsergebnisse auf dem Laufenden zu halten, ist sicher der Mühe wert. Es lohnt ebenfalls, darauf zu achten, wann und worauf der Körper Ihres Kindes überempfindlich reagiert. Vielleicht lässt sich der Auslöser vermeiden, bevor sich eine Allergie entwickelt.
Sie sollten sich jedoch nicht ständig damit belasten oder sich schuldig fühlen, falls Ihr Kind vielleicht doch eine Allergie entwickeln sollte - vor allem vor dem Hintergrund, dass es für die wichtigsten allergischen Erkrankungen mittlerweile gute neue Therapiemöglichkeiten gibt. Tatsächlich kann zu große Ängstlichkeit und Aufmerksamkeit die Situation verschärfen: Stress und Sorgen verstärken bei vielen Menschen die Allergiesymptome, und die Beschwerden führen zu noch mehr Stress und Traurigkeit. Auf sich selbst zu achten und zu versuchen, entspannter zu sein, ist wichtig, um so gut wie möglich mit einer Allergie zu leben. Wenn Sie glauben, Ihr Baby oder Kleinkind zeige Anzeichen einer Allergie, ist ein Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt wichtig, damit das Kind die richtige Diagnose und Behandlung bekommt.
Quelle: www.gesundheitsinformation.de (IQWiG)
Letzte Aktualisierung: 11. Juni 2008
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