Interview mit Dr. Lohmann:
"Weder schmerzhaft noch sehr unangenehm"
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Herr Dr. Lohmann, wann können Männer einen Urologen aufsuchen?
Meine Patienten sollen nicht erst erscheinen, wenn Beschwerden auftreten, sondern Vorsorge betreiben. Dies gilt für jedes Alter. Oft reichen ein Gespräch und eine kurze Untersuchung, um Missverständnisse auszuräumen. Wenn Probleme auftreten: Nicht verdrängen, bitte ernst nehmen und Rat suchen!
Welche Untersuchungen erwarten einen Mann, der zu Ihnen in die Praxis kommt?
Ich untersuche in der Regel den Uro-Genitaltrakt, aber auch spezielle Hautpartien, auch Lymphknoten und die Brustdrüse gehören dazu. Dazu erfolgt eine Blickbeurteilung und Tastuntersuchung. Zur Vorsorge gehören auch eine Blutdruckmessung und die Kontrolle auf Blut im Stuhl. Je nach Fragestellung erfolgen die Untersuchungen von Urin, Ejakulat und weitere Blutuntersuchungen.
Sind diese Untersuchungen unangenehm oder sogar schmerzhaft?
Die meisten Untersuchungen sind weder sehr unangenehm noch schmerzhaft. Als unangenehm wird meist das Abtasten der Vorsteherdrüse (Prostata) durch den Enddarmschließmuskel empfunden. Aber die vaginale Untersuchung der Frauen beim Gynäkologen ist ja auch nicht so angenehm! Weiterführende Diagnostik wie z. B. die Blasenspiegelung wird heutzutage problemlos mit dünnen, weichen Instrumenten in örtlicher Betäubung und oft zusätzlich in einem kurzen Medikamentenrausch durchgeführt.
Die gesetzliche Krankenversicherung sieht urologische Früherkennungsuntersuchungen beim Mann ab 45 Jahren vor. Bei welchen Symptomen ist es sinnvoll, bereits vorher einen Urologen aufzusuchen?
Wenn beispielsweise im Genitalbereich einschließlich der Leiste sichtbare oder tastbare Veränderungen auftreten, muss der Urologe aufgesucht werden. Diese können durchaus auch schmerzlos sein! Eilig wird’s bei akuten Hodenschmerzen. Der Hoden könnte verdreht sein, das nennt man Hodentorsion. Besonders junge Männer sollten alle 3 Monate ihren Hoden auf Unregelmäßigkeiten abtasten, um früh einen möglichen Hodentumor zu entdecken. Eine weiche Verdickung oberhalb des Hodens besonders im Stehen kann auf eine Hodenkrampfader hindeuten. Veränderungen der Urinfärbung oder Ausfluss mit oder ohne Schmerzen sollten geklärt werden. Auch Nierenschmerzen besonders mit Fieber bedürfen der urologischen Diagnostik und Therapie. Diese Auflistung ist sicher nicht vollständig. Es gilt: bei Zweifel nachfragen!
Warum ist es wichtig, bei Erektionsstörungen zu Ihnen zu kommen?
Die Erektionsstörung ist keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Frühwarnsymptom! Dahinter kann sich z. B. eine Herz-Kreislauf-Erkrankung, ein Diabetes oder auch eine Depression verbergen.
Herr Dr. Lohmann, wir danken Ihnen für das interessante Interview!
(erschienen in: Salus – Ihr Gutfühlmagazin 4-2011)
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