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2011 wird mein Jahr...
... weil ich mir mein Leben zurückhole

Akoholismus kommt in nahezu jeder Familie vor. Trotzdem wird er als Krankheit in der Gesellschaft noch immer nicht anerkannt. Jürgen Heckel ist trockener Alkoholiker und hat es sich zum Ziel gemacht, aus der Sicht eines Betroffenen über seine Alkoholsucht aufzuklären. Mit der Salus Redaktion spricht der Diplom-Bibliothekar und Autor über seinen Ausstieg und die Rückkehr in ein Leben ohne Alkohol.

Herr
Heckel, Alkohol hat einen festen Platz in unserer Gesellschaft. Doch wann wandelt sich der Alkoholkonsum zur Sucht?

Gefährlich am Alkohol ist der schleichende Prozess. Diese mit dem Tod endende Krankheit bleibt über einen langen Zeitraum für uns verborgen. Irgendwann verselbstständigt sich die Spitze des Eisberges und wird zur eigenständigen Krankheit: „Jetzt trinke ich nicht mehr, weil ich Probleme habe, ich habe Probleme, weil ich trinke!“

Sie sind seit über 20 Jahren trockener Alkoholiker. Wie ist Ihnen der Ausstieg gelungen?

Bei mir war es ein klassisches Alkoholdelir. Es war der Körper, der sich weigerte. Ich hätte weiter getrunken, wenn ich gekonnt hätte. Plötzlich spürte ich tief in meinem Innersten, dass ich lieber sterben würde als so weiter leben wie bisher. Erst die Nähe des Todes konnte in mir Gefühle für das Leben wachrütteln. Auf einmal konnte ich loslassen, um Hilfe bitten. Doch auch ein kleiner Anstoß kann in einem komplexen Suchtsystem einen Rieseneffekt hervorrufen: Ein Mann kommt nach Hause, betrunken wie jeden Abend, und will sein kleines Kind überschwänglich in den Arm nehmen. Das Kind sagt: „Papi, du stinkst schon wieder so komisch.“ Auch das kann ein Weckruf sein.

Was raten sie Menschen, die sich vom Alkohol befreien möchten?

Kapitulieren, nicht dagegen ankämpfen! Kapitulation ist eine Art Neugeburt, ein tiefgreifender Wandel meiner Überzeugungen und Handlungen. Ich habe nicht ständig gegen den Alkohol verloren, weil mein Wille zu schwach war. Es war der Versuch dagegen anzukämpfen, der sich als völlig unbrauchbar erwies. Das lebendige Leben ist die Alternative zur Sucht. Der „Trick“: Ich verändere mein Leben so umfassend, dass es mir „ohne“ deutlich besser gefällt als „mit“.

Und wie können Angehörige helfen?


Grundlage jeglicher Suchthilfe ist „Hilfe durch Nichthilfe“, in Liebe loslassen. Nichts tun für den Betroffenen, was er selber machen kann, kein Geld leihen, nicht entschuldigen. Alkoholiker sind begabte Manipulateure. Es gelingt ihnen immer wieder, auch dort Mitleid zu erzeugen, wo es nicht angebracht ist. Helfer werden so zu Komplizen der Sucht. Das Entscheidende ist: Den Sumpf aus Leugnen und Vertuschen trocken legen, in Familie und Betrieb. Darüber sprechen, es nicht mehr totschweigen.

Hilfe bei der Salus BKK

Ihre Ansprechpartnerin Gabriele Boyle, Leiterin unserer Krankenhausgruppe, berät Sie gerne über geeignete Behandlungsmöglichkeiten. Sie erreichen Frau Boyle telefonisch unter 06102 2909-54.



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